Tim Sonntag ist ein deutscher Künstler und Fotograf, der in Berlin lebt. Seine Arbeit erforscht die Konstruktion und Bedeutung sozialer Strukturen, Objekte und gesellschaftlicher Ideen. Sein Prozess geht über das Foto selbst hinaus und betrachtet, wie Rahmung und Präsentation die Wahrnehmung formen.
Wir haben Tim eingeladen, eine Nacht in unserem Hotel in Berlin zu verbringen und eine Playlist für uns zu erstellen. Zwischen stillen Momenten und wechselndem Licht baute er eine Playlist, die sowohl seine Praxis als auch die Atmosphäre des Raumes widerspiegelt.
Ich bin vor meinem Wecker aufgewacht. Das passiert. Trotzdem bin ich jedes Mal überrascht.
Am Abend zuvor hatte ich an einem Edit für ein Langzeitprojekt gearbeitet. Es begeistert mich immer, aber das tiefe Nachdenken schlaucht. Ich bin mit eingeschaltetem Fernseher eingeschlafen. Ich liebe das – kleine Gespräche im Hintergrund, während ich wegdämmere. Es erinnert mich an meine Eltern in den frühen 2000ern, die nach der Arbeit im Wohnzimmer einnickten. Vielleicht muss ich mal mit einem Therapeuten darüber reden. Aber was soll ich sagen? Ich habe trotzdem fantastisch geschlafen.
Raus aus dem Bett machte ich mich auf den Weg ins Bad. Gerade noch am Rande meines Blickfelds sah ich eine Bewegung. Ich war allein im Zimmer, also drehte ich mich um. Denn wtf war das?.
Da saß er, auf der Ablage neben dem Fenster: ein kleiner Spiegel – die Art, die man zum Schminken oder Abschminken benutzt.
Als ich näher kam, drehte sich mein Spiegelbild in ungleichmäßigen, schwindelerregenden Kreisen. Mein Magen machte fast einen Satz. Aber es sah lustig aus – auf eine gute Art. Ich bewegte mich hin und her und beobachtete, wie mein unwirkliches Spiegelbild sich verschob und wirbelte. Ich mochte es.
Und kurz bevor ich zum Frühstück ging, blieb ein letzter Gedanke hängen: „Was, wenn wir im Casa Camper in den Spiegel fallen würden?“.
Dieser kleine Spiegel war buchstäblich meine Inspiration für das alles. Ich sah es als eine Art kreatives Experiment – etwas, das formen würde, was mich während des Aufenthalts inspirierte. Es zog mich in einen surrealeren, abstrakteren Kopfraum rund um meine Zeit im Casa Camper. Man könnte es als eine stille Reise im Zimmer sehen, gemacht zum Treibenlassen, um aus dem gewohnten Tempo auszusteigen. Eine Pause. Oder vielleicht eine Rückkehr zu etwas, das man schon immer getan hat, ohne überhaupt darüber nachzudenken.
Drück bei der Playlist auf Play. Lass es geschehen.
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HAPPENINGS
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